Stellungnahmen:


Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München

Schirmfrau: Nicole Lassal

 

 

Nicole Lassal, Frauenbeauftragte der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München.

 

"Flucht“ ist das beherrschende Thema in und für Deutschland und Europa geworden. Die politischen und gesellschaftlichen Krisen in den verschiedenen Regionen der Welt führen zu Verwerfungen der bisherigen weltpolitischen Ordung und lösen Flüchtlingsbewegungen aus, die das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische System in Europa vor großen Herausforderungen stellt. Dass geflüchtete Frauen in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht besonderen Formen der Gewalt ausgesetzt sind, ist zwar unbestritten, wird aber in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend ignoriert. Frauen erfahren bereits in ihren Herkunftsländern starke, oft existentielle Repressalien, sind auf der Flucht häufig Opfer geschechtsspezifischer Gewalt, haben währenddessen die Sorge um ihre Kinder und erfahren dabei gravierende Traumatisierungen. Im Aufnahmeland werden bei der Entwicklung von Maßnahmen für geflüchtete Menschen wenig Unterscheidung nach Geschlecht gemacht. Um den Bedarfen und Bedürfnissen von Frauen und Mädchen in Bezug auf Unterbringung, Bildung, Weiterbildung, Gesundheit und Sicherheit Rechnung zu tragen, muss Geschlecht als maßgebliche Kategorie wahrgenommen werden. Kunst eröffnet neue Perspektiven und Zugänge in die Gesellschaft. Sie verschafft Öffentlichkeit und kann Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen nehmen. Das Veranstaltungskonzept von „Solidarität mit den Frauen auf der Flucht“ ist dafür ein herausragendes Beispiel: Die verschiedenen künstlerischen Genres thematisieren das Erleben von Frauen auf der Flucht und sparen dabei auch keine Tabus aus. Die Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt München unterstützt den bedingungslosen Aufruf, der dieser künstlerischen Reihe zu Grunde liegt: Solidarität mit den Frauen auf der Flucht!

 

 

 


Kulturzentrum Giesinger Bahnhof

Sara Sepehri Shakib

 

 

Als Frau Dr. Toledo mir im Herbst das Veranstaltungskonzept von „Solidarität mit den Frauen auf der Flucht“ vorgestellt hat, war ich auf Anhieb von diesem Thema angetan. Vor allem, dass es ganz speziell um die Erfahrungen von Frauen auf diesen Marschrouten geht: was begegnet ihnen auf dem Weg ins Ungewisse und wie gehen sie mit dem Verlust der Heimat um? In ganz unterschiedlichen künstlerischen Genres werden die Erlebnisse dargebracht: sei es zum Beispiel die Lesung von Suli Kurban, die ihre Erfahrungen als Flüchtlingsfrau literarisch verarbeitet oder Wahida Samada, die in ihrem Vortrag ihren Weg von Afghanistan nach Deutschland beschreibt, aber auch zum Beispiel in Gestalt des Films „Vergessene Sex-Sklaven“ des Regisseurs Björn Jensen, der das Geschehen  aus dem Blickwinkel eines Mannes betrachtet. Darüber hinaus macht die Veranstaltungsreihe deutlich, dass Gewalt gegen Frauen auch früher schon ganz bewusst als eine Form der Kriegsführung eingesetzt wurde.

 

Die Veranstaltungsreihe ist auch ein Ort der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kontinenten und Lebenswelten: aus dem Nahen und aus dem Fernen Osten, aus Afrika, Amerika und nicht zuletzt Europa.

 

Ihnen, liebe Besucher*innen, wünsche ich eine spannende Auseinandersetzung mit dem brisanten und zeitlosen Thema „Frauen auf der Flucht“.

 

Sara Sepehri Shakib

Geschäftsführung

Kulturzentrums Giesinger Bahnhof

 

Kulturzentrum "Die Färberei"

Andrea Huber

Geschichten müssen erzählt werden!!

 

In der aktuellen flüchtlingspolitischen Großwetterlage schlagen geflohenen Menschen überwiegend Ablehnung und Vorbehalte entgegen. Selten besteht Interesse an den Geschichten der geflohenen Menschen. Was fehlt ist Empathie und Menschlichkeit. Künstlerische Arbeiten können hierbei vermitteln und den Betroffenen ihre Würde zurückgeben. Ein Beispiel: Im Jahr 2000 begleitete ich für einen Dokumentarfilm, Rahima Music, eine mit zwei Kindern aus Bosnien geflohene Frau bei ihrer Weiterflucht nach Australien. In unseren zahlreichen Gesprächen während dieser Reise, erzählte sie ihr bewegtes Leben in Schlaglichtern. Rahima beschrieb ihr gutes, glückliches Leben in Jugoslawien. Der Krieg bereitete diesem Leben ein abruptes Ende. Sie verlor ihren Mann und beschloss daraufhin, sich mit ihren beiden Kindern buchstäblich zu Fuß Richtung Deutschland auf den Weg zu machen. Rahima schilderte ihre traumatisierenden Fluchterlebnisse. Sie berichtete von den Kriegstoten, die verstümmelt am Wegesrand lagen und ihren erfolglosen Versuchen, diesen Anblick ihren Kindern zu ersparen und von der ständigen Angst, um sich und ihre zwölfjährige Tochter angesichts der unbeschreiblichen Gewalt, die Frauen tagtäglich auf ihrer Flucht erfahren. Rahima erzählte von ihrem siebenjährigen Sohn, der in Deutschland nicht mehr sprechen wollte und dem die Haare ausfielen. Trotz dieser Lebensgeschichte wurde ihr Antrag auf Asyl abgelehnt. Eine Abschiebung stand im Raum. Die Rettung kam vom anderen Ende der Welt, als die Familie ein Visa für Australien erhielt und dort bleiben durfte. Nach der Premiere des Dokumentarfilms in München sprach mich eine Frau an - sichtbar aufgewühlt. Sie betonte, immer für Abschiebungen gewesen zu sein, aber die Fluchtgeschichte von Rahima habe sie zum Nachdenken gebracht. Noch nie zuvor hatte sie ein solches Schicksal so nah an sich herangelassen. Dieses Erlebnis zeigt für mich: Die Geschichten von geflüchteten Frauen müssen erzählt werden. Gerne mit künstlerischen Mitteln. Wir müssen zeigen, dass es sich bei ihnen um ganz normale Frauen handelt, mit ihren eigenen Biographien, ihren realen Sorgen, mit ihren Träumen, ihren Zielen und ihrer eigenen Weiblichkeit. Zum „Flüchtling“ wird man gemacht und das bedeutet häufig, dass man seiner eigenen menschlichen Identität und Würde beraubt wird. Künstlerische Ausdrucksformen können diesen Frauen, zumindest teilweise, ihre Identität und Würde wiedergeben und Impulse für ein solidarisches, empathisches Handeln setzen. Die Färberei und das Köșk freuen sich daher sehr, die Gemeinschaftsausstellung „Solidarität mit den Frauen auf der Flucht“ bei sich zeigen zu können.

 

Andrea Huber

Die Färberei und künstlerische Leitung Köșk KJR-München Stadt

 


Migrationsbeirat der LH München

Dimitrina Lang, Vorsitzende Vorsitzende des Migrationsbeirats der LH München

 

Als Neue Vorsitzende des Migrationsbeirats der Landeshauptstadt München möchte ich auch einige Worte zum Thema: „Solidarität mit den Frauen auf der Flucht“ in dieser Broschüre beitragen. Der Migrationsbeirat der LH München bedankt sich vor allem bei der Initiatorin dieses Kunstprojekts Frau Dr. Corina Toledo für ihr großartiges Engagement – eine Wanderausstellung mit ergreifenden Bildern – zu organisieren. Alle Geschehnisse, welche Frauen auf der Flucht erleben müssen, können die BesucherInnen plastisch in Bildern, Musik, Lesungen, Skulpturen, Fotos oder Film sehen, wahrnehmen und fühlen. Frauen auf der Flucht erleiden heute überall geschlechtsspezifische Gewalt, sogar in den sog. Schutzzonen, genannt Flüchtlingsheimen müssen sie um ihr Wohl, die Gesundheit und das ihrer Kinder fürchten. Um so wichtiger erscheint es uns als Vertreter_innen der Münchner Migrantengesellschaft, dass hier durch diese Ausstellung ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt wird. Wir rufen zur Solidarität auf und werden auch weiterhin dieses Projekt mit allen Mitteln unterstützen.

 

Dimitrina Lang

Vorsitzende des Migrationsbeirats der LH München

Dipl. Sozialpädagogin (FH)