"Solidarität mit den Frauen auf der Flucht"


Schirmfrauschaft: Nicole Lassal

Gleichstellungsbeauftragte für Frauen der LH München

 

Es scheint auf den ersten Blick eine gewagte Herausforderung zu sein, Kunst mit Politik zu verbinden. Doch bei näherem Hinsehen war Kunst schon immer nicht nur eng mit Politik verbunden, sondern stand oft sogar im Dienst der Politik. Kunst nehme ich nicht nur als ideales Instrument wahr, um Sprachbarrieren zu überwinden, sondern auch um den Austausch über politisch brisante Themen auf eine innovative Art und Weise zu fördern. 

 

Auch dieses Projekt ist interdisziplinär, transkulturell, partizipativ und somit integrativ. Denn dabei wirken möglichst lokale KünstlerInnen aus diversen Kulturräumen und Kunstrichtungen mit. All das Gelebte, Gefühlte oder Gedachte können die BesucherInnen plastisch in Bildern, Musik, Lesungen, Skulpturen, Fotos oder Film sehen, wahrnehmen und fühlen. ExpertInnen werden einladen, um die Thematik aus diversen Fachrichtungen zu reflektieren. Genau so wichtig sind die Gruppenführungen, damit das Publikum sich aktiv einbringen kann In diesem Sinne ist “Solidarität mit den Frauen auf der Flucht“ auch ein Denk- und Begegnungsprojekt: Die mitwirkenden Künstlerinnen und auch das Publikum werden eingeladen, darüber zu reflektieren, was Flucht  - besonders für Frauen – impliziert.

 

Frauen auf der Flucht erleiden heute überall geschlechtsspezifische Gewalt, nicht nur im Krieg, nicht nur in den Flüchtlingsheimen hier bei uns. Die Friedensmissionen der Vereinten Nationen werden als „Beschützer“ zu den Krisenregionen gesendet, doch ausgerechnet von denen werden oft Frauen sexuell ausgebeutet oder missbraucht. Es gibt Fälle, wo die Blauhelme Nahrung und Medikamente gegen Sex tauschten - ein Drittel der sexuellen Übergriffe fand sogar auf Minderjährige statt. Gegen mehr als 300 Teilnehmer an Friedensmissionen wird heute noch wegen Vorwürfen sexueller Ausbeutung oder Missbrauchs ermittelt. Weltweit sind etwa die Hälfte aller Flüchtlinge Mädchen und Frauen, derzeit also rund 30 Millionen. Leider gehören systematische Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen zu den erklärten Kriegsstrategien.        

Wir möchten dazu beitragen, dass die Debatten und Politik frauensspezifische Fluchtgründe reflektiert, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht selten als ein politisches Instrument angewandt wird oder Flüchtlingsheime nach Geschlechtern die Regeln sein sollten. Dazu kommt noch, dass jeder zu wissen meint, was ein Flüchtling ist. Doch über Ursache und Wirkung von Flucht und über die damit verbundenen Zusammenhänge wird kaum debattiert. Mit diesem Projekt möchten wir das ändern. In diesem Sinne führe ich im Kunstbereich die Frauenforschung weiter.   Einen Ausstellungskatalog und einen Kurzfilm werden die Ausstellung dokumentieren. Die Vernissage wie auch die Finissage sollten musikalisch oder mit einer anderen Veranstaltung begleitet werden.   Mitwirkende Künstler*nnen: Ava Serjouie-Scholz (Iran) mit einer Installation, Silan Kurban (Igurien) mit einer Lesung, aber auch mit zwei Filmen, die während der Ausstellung laufen würden, Corina Toledo (Chile) mit Bildern, Gloria Gans (Deutschland) mit Bilder, Esther Enahoro (Nigeria) mit einer Perfomance, die zeigt, was Flucht für eine bedeutet. Fauzia Minallah (Pakistan) wird mit einem selbstgemalten Tuch „Mein Vielfärbige Schal des Friedens“ vertreten sein. Dr. Ariane Hagl (Deutschland/Italien) leitet eine Malaktion. Björn Jensen (Deutschland) als Filmproduzent zeigt der Film „Vergessen Sex Sklaven“, also über Frauen, die den Soldaten in Japan während des 2. Weltkrieges sexuell bedienen mussten. Die in Bolivien bekannte Manina Lara zeigt ihre Bilder sowie auch Rita Mascis (Italien). Wahida Samada aus Afghanistan erzählt nicht nur ihre eigene Fluchterfahrung mit ihrer Familie, sondern auch ihre Arbeit im Ministerium im Afghanistan.  

 

Ich bin der Meinung, dass die Teilnahme an solchen gemeinschaftlichen Aktivitäten und Interaktionen die Integration und Partizipation in der neuen Gemeinschaft fördert. So besteht die Möglichkeit, dass jede Person sich – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Klasse, Rasse oder ihres Alters – entfalten kann. Das Projekt möchte ferner darauf hinweisen, dass die individuelle Persönlichkeit eines jeden Menschen von Werten und Lebensvorstellungen geprägt ist. Daher ist es mir wichtig, dass jeder und jedem - unabhängig von Bildung, Herkunft und sozialer Stellung Zugang zu Kunst und Kultur haben kann, über brisante Themen in einer innovativen und dynamischen Form zu reflektieren! Wicht ist es auch zu erfahren, wer und von wem auf welcher Ebene repräsentiert wird, wer über finanziellen Ressourcen verfügt und darüber entscheidet oder wie und wofür die finanziellen Ressourcen verwendet werden. Denn auch Kunst agiert im kapitalistisch-patriarchalischen System, wo nicht wenige Menschen, oft mit Gewalt raus gehalten werden.              

 

Hier sind die Quellen:            

http://www.blick.ch/news/ausland/300-un-mitarbeiter-des-sexuellen-missbrauchs-angeklagt-id1441079.html            

https://cdu.unlb.org            

Weitere Informationsquellen:          

http://www.sueddeutsche.de/politik/haiti-blauhelmsoldaten-sollen-frauen-sexuell-ausgebeutet-haben  

https://www.tagesschau.de/ausland/blauhelme-missbrauch-101.html            

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-03/un-blauhelme-sexueller-missbrauch-afrika            

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-11/blauhelme-sexueller-missbrauch-zentralafrika

http://www.handelsblatt.com/politik/international/zentralafrika-uno-soldaten-sollen-ueber-100-frauen-missbrauchthaben/13389038.html  

  • Die Ausstellung ist als eine außerparlamentarische und außeruniversitäre Diskussionsplattform zu verstehen.
  •  Durch die interaktive Teilnahme von Kunstinteressierten und BesucherInnen leistet die Ausstellung einen Beitrag zum multikulturellen Dialog.
  • Das Kunstprojekt ist außerdem als eine erlebnisorientierte Veranstaltung angelegt, denn es werden interaktive und interkulturelle Gruppenführungen angeboten.
  • Da das Kunstprojekt interdisziplinär und transkulturell angelegt ist, ist es ferner ein Begegnungsprojekt der verschiedenen Kulturen.
  • Das Kunstprojekt ist sicher auch als ein Beitrag zur Sichtbarkeit der Geschichte von Frauen und Migranten zu sehen.
  • Das Kunstprojekt kann als Anstoß für einen Bewusstseinswandel, ja gar für eine Erneuerung in dieser Gesellschaft wahrgenommen werden.
  • Nicht zuletzt ist das Kunstprojekt einen Beitrag zur Überwindung der Politikverdrossenheit. 
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Broschüre zur Wanderausstellung "Solidarität mit den Frauen auf der Flucht"
Konzeptbeschreibung/Stellungsnahme/Künstlerinnen/Ausstellungsorte
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