Teilnehmende KünstlerInnen

Dr. Corina Toledo

 

Chile

Politikwissenschaftlerin, Mitorganisatorin der Ausstellung

 

Sich auf das brisante Thema von Revolutionen in der Kunst einzulassen, ist sicher kein leichtes „wertneutrales“ Unterfangen. Dennoch bin ich als Politikwissenschaftlerin immer bemüht, so objektiv wie möglich zu sein. Als promovierte Feministin fällt mir wiederum leicht zu behaupten: Revolutionen waren und sind der blutige „Schauspielplatz“ von Männern, deren Opfer meistens Frauen und Kinder sind. Ob General, Caudillo, Patriot, Anführer, Held oder moderner „Contractor“,  alle haben Revolutionen – ohne Frauen oder gar gegen sie gemacht – geplant und durchgeführt . Selten spielten Frauen eine Rolle und wenn ja, dann im Schatten der großen Caudillos. Neben einem männlichen Heldentum haben bis jetzt Revolutionen Elend, Gräber oder - teilweise unwiederbringliche – Zerstörung der Natur, Architektur, Malerei, etc. gebracht. 

In Chile (nicht nur 1973) stand die sozialistische Revolution unter der demokratisch gewählten Regierung Allende unter der geopolitischen Perspektive, Lateinamerika sei der „Hinterhof“ der USA, basierend auf der noch heute gültigen Wahrnehmung der „White Supremacy“, also der selbsterklärten Vorherrschaft der „weißen“,  europäischstämmigen Bevölkerungsgruppe über alle anderen Völker dieser Erde. Und jegliche Revolutionsversuche, sich zur Wehr zu setzen, werden systematisch direkt oder indirekt, auch mit dem hoch entwickelten Waffenarsenal bekämpft. Aus dieser patriarchatskritischen Perspektive vertrete ich die These: Die Revolution der Frauen steht noch aus – eine Revolution, die sich am Leben orientiert, Leben zu spenden und Leben zu erhalten, im Einklang mit der Pachamama, sofern die Muttererde noch den „Biozid“ überlebt. Entlang dieses Reflexionsprozesses begleitet mich die Malerei.



Walter Dorsch

 Deutschland

Viele Künstler waren Ärzte, viele Ärzte wurden Künstler. Es scheint, als würde die intensive Beschäftigung mit dem Mitmenschen den Blick für Wesentliches schärfen. Als Kinderarzt ist mir die nonverbale Kommunikation wichtig, also das, was Kinder und Erwachsene mitteilen, wenn sie nicht sprechen können oder wollen. So war der Schritt zur darstellenden Kunst nicht weit. Mein Konzept lautet ART@WORk, d.h.  Kunst will ausdrücken, bewegen, mitteilen,  wirken: Kunst zum Anschauen, Anfassen, Begreifen.  Als Medien benutze ich anthropomorphe Bronzefiguren, digital transformierte Photographien, mit Musik unterlegte Kurzfilme, Installationen und Bücher. Sie alle laden den Betrachter zur aktiven Mitgestaltung ein. Die Resonanz, zunächst in meiner Praxis, dann auf nationalen und internationalen Ausstellungen, hat mir bewiesen, dass das Konzept trägt. Das Thema Revolution  beschäftigt mich seit langem. Wiederholt sich Geschichte? Fast möchte man es glauben. Revolutionen scheinen unausweichlich, sie sind dramatisch, blutig, voller Enttäuschungen. Oft wird nur eine Gewaltherrschaft durch eine andere ersetzt. Manche Elemente der Geschichte wiederholen sich mit grausamer Regelmäßigkeit. Mit meinen Figuren (dem Mächtigen, seinen Beratern, den Einflüsterern, den willfährigen Helfern, den Uniformierten, den Handlangern, aber auch den Ratlosen, den Verlorenen), mit Bildern, Kollagen u.a.  versuche ich, Bedingungen der Macht, des Umsturzes, der Revolution darzustellen. Der historische Bezug reicht von der Ersten europäischen  Revolution 1705 in Bayern, dem ungarischen Volksaufstand 1956, der erstaunlich friedlichen Revolution in Osteuropa vor 25 Jahren bis hin zur aktuellen Situation der Ukraine. 

Eines meiner Vorbilder ist Francesco Goya, z.B. dessen Gemälde von der Erschießung der Aufständischen in Madrid 1808, in dem die einzige Lichtgestalt die von Napoleons Truppen ermordete Geisel darstellt. 


Lin Becker

Deutschland 

Das lateinische revolvere – zurückdrehen  - als Namensgeber des Wortes Revolution: die alte Ordnung sollte wiederhergestellt werden. Der heutige Sinn hat sich wortverwandt verändert in (totales) Umwälzen : als Revolution im Durchsetzen territorialer Ansprüche, religiösfanatischer Zwänge,  in blitzartigen Regierungsumstürzen und mittels revolutionärer Gewaltexzesse mit brutalsten Machtkämpfen. Wir leben selbst in einer weitgehend übersättigt kapitalistischen Gesellschaft, da klingt es wie Hohn, wenn ausgerechnet wir zu Revolutionen Stellung nehmen.

 Natürlich gibt es auch sanfte Revolutionen, natürlich hat auch die Kunst heißdiskutierte und nachhaltige Revolutionen durchlebt und gestaltet. Aber wie revolutionär sind wir denn im Alltag? Wie sehen wir all die Geschehnisse unserer Zeit? Wann wehren wir uns, wann verteidigen wir tatsächlich Andersdenkende.

 Wie viel Verständnis bringen wir auf? Wie viel bzw. wie wenig Wahrheit kennen wir? Wer informiert uns objektiv?

 Der Einzelne ist es, der mich bei dem Thema  Revolution beschäftigt. So viele Menschen haben schon für ihre Ideale ihr Leben gelassen. Was ist aus denen geworden, die erfolglos waren in ihrem Kampf? Es gibt nur wenige Antworten, obwohl unendlich viel darüber geschrieben und gesagt wurde. Die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten zu dem Thema sind zahlreich und weitgehend individuell geprägt.


 

Italien

Beuys:  Jetzt müssen wir allerdings über Revolution sprechen. Was wir bisher als Revolution hatten, waren keine solchen. Das waren Putsche, usurpatorische, erzkonservative Vorgänge. 

Kounellis: Für mich war Picasso ein Revolutionär. 

Beuys: Einverstanden. 

Kounellis: Das genügt, um die gesamte Revolution zu retten. Das genügt für diesen Tisch. 

Beuys: Das genügt nicht, Picasso konnte ja nicht verhindern, dass es weiterhin Mord und Totschlag gab. 

Kiefer:....eine Revolution in der Kunstgeschichte ist etwas Virtuelles in Bezug auf das, was in der Gesellschaft geschieht oder geschehen soll. Die Kunst kann nicht die Gesellschaft revolutionieren. Sie ist der Vorschein dieser Revolution. (Basel, 28/29 Oktober 1985, Gespräch zwischen Joseph Beuys, Jannis Kounellis, Enzo Cucchi, Anselm Kiefer und Jean-Christophe Ammann)

 

Der Maler ist ein Wächter und Schöpfer von Werten, der Maler ist subversiv oder, besser gesagt korrosiv, weil durch ihn soziale, politische Ergebnisse filtriert und verdaut werden, um eine neue Interpretation von den Dingen zu schaffen. Kunst schafft kulturelle Identität und nur durch zahlreiche Diskussionen, zwischen Künstlern können auch revolutionäre kulturelle-Prozesse entstehen. Sind Fede Galizia oder Tina Modotti Revolutionärinnen gewesen? Zwei Frauen, zwei Epochen, zwei  neue Interpretationen der Realität. Sie haben nur einen Weg gezeigt, den es früher nicht gab. Das heißt für mich „Kunst und Revolution“.


Kirill Korsunenko

Ukraine

Kirill Korsunenko wurde 1991 in Odessa, Ukraine geboren. Er erhielt seine ersten Klavierstunden im Alter von 6 Jahren und seine weitere musikalische Ausbildung an der Odessa Stoliarski Musikschule und Odessa Nationale Nezhdanova-Akademie (Klasse Pawel  Mulyar). Während seines Studiums in Odessa bekam er das Stipendium des Präsidenten der Ukraine für Junge Künstler. Seit 2012 ist er Student an der HfMT Köln (Abteilung Aachen, Klasse Prof. Andreas Frölich). Kirill absolvierte die Meisterkurse bei einigen berühmten Professoren, sowie Vadim Rudenko, Norma Fischer, Igor Ryabow, Rolf Plagge und anderen. Seit 2004 konzertierte er regelmäßig in Odessa und Kiew (Odessa Nationale Musikakademie, Staatliche Philharmonie, Literatursmuseum, etc.). Seine Auftritte in Europa waren unter anderem bei Euriade Festival (Burg Rode, Herzogenrath), der Reihe "Bechstein Young Professionals" (Studio Dumont, Köln) und der Konzertreihe "Orpheo" in Abtei Rolduc (Kerkrade, Holland).

Er gewann den 2. Preis, die Silbermedaille und den Sonderpreis beim 5. Internationalen Klavierwettbewerb "In Memory of Emil Gilels" in Odessa (Oktober 2012), im Juli 2013 wurde er Preisträger beim "Concurso Internacional de Piano Maria Herrero" (3.Preis) in Granada, Spanien.

Im September 2013 erhielt Kirill Korsunenko den 2. Preis und den Publikumspreis bei dem 9. Internationalen Klavierwettbewerb „Prix AmadèO de Piano 2013“ in Aachen. Kirill Korsunenko ist politisch aktiv und kämpft auch mit musikalischen Mitteln, auch im deutschen Ausland für die Demokratie in seiner Heimat und ihre Unversehrtheit.