Hier kommen die Personen zu Wort, die dieses künstlerische Frauenprojekt ermöglicht haben. Alle mitwirkenden Künstlerinnen bedanken sich ganz herzlich für das

Vertrauen und die Unterstützung. 

Bettina Messinger


 Landesfrauensekretärin ver.di Bayern

„Solange Frauen nicht gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit bekommen, solange die Steuerpolitik Alleinverdienerehen und Minijobs fördert, solange es nicht genügend Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Frauensache ist, solange Frauen als Führungskräfte nicht selbstverständlich sind, solange Frauen von Sexismus und sexueller Gewalt betroffen sind, solange Migrantinnen doppelt benachteiligt sind, sind Frauen benachteiligt und haben keine echten Wahlmöglichkeiten.“ 

Wie nehmen wir Frauen in der Arbeitswelt wahr? Welches Bild entsteht vor unserem Auge, wenn wir uns Frauen bei der Erwerbsarbeit vorstellen? Sehen wir eine Feuerwehrfrau, eine KFZ-Meisterin, eine Vorstandsvorsitzende eines großen Konzerns oder sehen wir eher die Krankenschwester, die Verkäuferin und die Zahnarzthelferin? Wenn wir die Augen schließen und uns diese Berufe vorstellen, dann sehen wir die Personen in ganz verschiedenen „Verhüllungen“. Die Vorstandsvorsitzende im Business-Kostüm und die Krankenschwester mit einem weißen Kittel. Bei den Verkäuferinnen haben wir vermutlich schon verschiedene Vorstellungen von ihren Kleidern. Machen wir doch nochmal die Augen zu und stellen uns jetzt diese vorher genannten Berufe vor mit Frauen, die ein Kopftuch tragen.

Gelingt es, uns die Vorstandsfrau mit einem Kopftuch vorzustellen? „Kleider machen Leute.“ Wir schätzen Menschen häufig nach ihrem Äußeren ein, schnell können wir dabei ein falsches Bild bekommen. Deshalb müssen wir uns weiter einsetzen für die Gleichstellung von Frauen und für eine Kultur der Vielfalt. Wir müssen unsere Forderungen ständig und immer wieder laut und stark in die Politik und in die Gesellschaft einbringen. Denn: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts.“ (Simone de Beauvoir) 

Songül Akpinar


Dolmetscherin

Folgende Erfahrungen zum Thema Migrantinnen am Arbeitsmarkt habe ich gemacht: Aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich, dass Frauen mit Kopftuch am Arbeitsmarkt beträchtlich benachteiligt werden. Obwohl eine Frau hier aufgewachsen ist und gute Leistungen vorweisen konnte, fiel es ihr nicht leicht, eine Stelle zu finden. Sie wurde schlichtweg überall abgelehnt, was man auf das Kopftuch zurückführen könnte. Sie sagte mir eines Tages, sie könne diese Erlebnisse nicht mehr verkraften und sie beschloss, das Kopftuch abzulegen. Wir waren alle sehr überrascht von diesem Schritt. Er hat sich gelohnt. Es ist ihr gelungen als Dolmetscherin zu arbeiten und zusätzlich noch das Studium zur sprachlichen Korrespondentin aufzunehmen. Das zweite Beispiel zeigt meine eigene Erfahrung. Ich trage kein Kopftuch. In meiner Arbeit als Dolmetscherin habe ich erlebt, dass der Auftraggeber tatsächlich gefragt hat, ob ich ein Kopftuch trage. Wenn ich eins tragen würde, hätte er meine Dienste nicht in Anspruch nehmen können, hieß es. Da ich kein Kopftuch trage, erhielt ich den Auftrag. Durch meine Arbeit bekomme ich mit, dass Frauen mit Kopftuch als Menschen „zweiter Klasse“ gesehen werden und dadurch Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben. Nicht nur meine persönlichen Erfahrungen oder die aus meinem Umfeld ähneln sich. Eben durch meine Arbeit erlebe ich oft, dass Vorstellungsgespräche oder Bewerbungsprozesse nicht laufen wie sie eigentlich laufen sollten. Sobald jemand mit Kopftuch gesichtet wird, wird auf das Thema Religion stark eingegangen. Vor allem bei Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz bekommen Kopftuchträgerinnen oft Schwierigkeiten. Auch wenn sie einen Ausbildungsplatz haben, werden sie oft von Arbeitskollegen ausgegrenzt und sogar aktiv gemobbt und sabotiert. Das letztere trifft nicht nur auf Frauen mit Kopftuch, sondern allgemein auf Migrantinnen zu. 

Gabriele Nuß


Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt München

Die Wahrnehmung von Frauen in der Arbeitswelt- zwischen Enthüllung und Verhüllung.......ein Titel, der nicht besser hätte gewählt sein können. Denn unsere Gesellschaft verhüllt gerne das Recht und den Anspruch der Frauen auf Gleichstellung. Sie ist zu diesem Zweck außerdem sehr erfinderisch in der Verhüllung von bestehender Geschlechterhierarchie, Diskriminierungen und engen Rollenzuschreibungen. Gleichstellung und ihre Instrumente werden sprachlich diffamiert oder es werden „political correct“ gewichtige Worte gesprochen, denen aber keine oder wenig Taten folgen, wenn es um Arbeits-, Wirtschafts- und Finanzkraft, um Rechtszugänge und um Selbständigkeit von Frauen geht. Keine(r) soll merken, wie viel noch zu tun ist. Und immer wieder ist es an uns Frauen, dies alles zu enthüllen, Beispiele für Ungleichheiten aufzuzeigen, zu mahnen, zu klagen, Veränderungen einzuleiten. Viele Ungleichheitsthemen in der Arbeitswelt sind bereits in der ersten Frauenbewegung benannt worden, wie z.B. Lohnungleichheit, schlechtere berufliche Zugänge, Minderbewertung von Frauenarbeit. Und sie sind zäh, diese Themen. Sie tauchen immer wieder dann ungebrochen und mit aller Macht auf, wenn Frauen neue Arbeitsfelder erobern oder wenn sich die Vielfältigkeit von Frauen für den Arbeitsmarkt erweitert, wenn z.B. Migrantinnen, genauso gut ausgebildet und genauso befähigt wie deutsche Frauen, angemessene Stellen suchen. Wir Frauen müssen hierzu solidarisch zusammenstehen. Das ist unerlässlich. 

Die Ausstellung trägt mit erheblichem Anteil zu Solidarität und Enthüllung bei. Sie regt zur Diskussion an: zu Frauen in Arbeit, zur Migrantinnenfrage. Aber die Ausstellung leistet noch mehr. Sie thematisiert die Arbeitssituation von Frauen mit künstlerischen Mitteln und enthüllt so auch das Arbeitsfeld Kunst, in dem Frauen als Künstlerin und im Kunstbetrieb weltweit hervorragend wirken. Zumindest in Deutschland sind sie aber immer noch weitgehend unterrepräsentiert. Weit mehr Frauen als Männer können sich mit ihrer Kunst nicht finanzieren, die Qualität ihrer Werke wird weniger wertgeschätzt, in den Kunstmarkt als Wirtschaftsfaktor sind sie schlecht eingebunden. Das trifft nicht nur die Künstlerin, auch die Kuratorinnen, Galeristinnen, Museumsleiterinnen – einfach alle Berufe, die in der Kunstbranche ausgeübt werden. Das Kunstmagazin Art hat im November 2013 ein interessantes Heft heraus-gegeben. Die Frauen werden hier in einigen Gebieten der Kunstbranche auf der Gewinnstrecke gesehen. Noch 1990 wurde beispielsweise nur ein Viertel der Museen von Frauen geleitet, heute sind es über 50 %, die großen Museen sind allerdings davon eher ausgenommen. Der Aufbruch ist also da – für den Stolz auf die Vielfältigkeit von Frauenleistungen und für Geschlechtergerechtigkeit in allen Arbeitsfeldern. Wir als Gleichstellungstelle für Frauen lassen nicht locker – seit 30 Jahren nicht. Und wir sind sicher: viele, viele Mädchen und Frauen machen mit.