Nicole Lassal

Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München

Die Frage nach der Identität stellt sich uns in verschiedenen und vielfältigen Kontexten. Die persönliche Identität wird determiniert durch Faktoren, wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, religiöse Weltanschauung oder soziale Herkunft. Auch die Zugehörigkeit zu einer Nation sowie der entsprechenden kontinental-geografischen Hemisphäre bestimmt Identität: Unsere Mentalität, unser Wertesystem und unsere Traditionen werden geprägt vom jeweiligen nationalen, politische und sozio-geografischen Erfahrungshintergrund. In den gegenwärtigen Zeiten der Globalisierung, Arbeitsmigration und Mobilität sowie aufgrund der in den Krisenregionen ausgelösten Flüchtlingsbewegungen nimmt die Wirkung tradierter Identifikationskonzepte rapide ab: Die Erodierung alter Referenzrahmen stellt nicht nur das Individuum sondern die globale Weltgesellschaft vor existentielle Fragen. Angesichts der verschiedenen Krisensituationen auf der Welt steht unser gesellschaftspolitisches System aktuell vor der Herausforderungen der staatlichen Solidarität und Humanität sowie der uneingeschränkten Beachtung der Menschenrechte. Insbesondere für Frauen können die Überwindung von tradierten Wertesystemen, die Frauen in der Gesellschaft benachteiligen, Chancen der selbstbestimmten und gleichberechtigten Lebensweise bringen. In der erlebten Realität müssen wir aber feststellen, dass die Globalisierung gerade auch für Frauen nicht zur Chancengerechtigkeit führt, sondern sich Geschlechterhierarchien in anderen Benachteiligungskontexten reproduzieren. Es ist fortwährende Aufgabe der Gleichstellungspolitik, die Situation von Frauen im Zeitalter der Globalisierung im Blick zu haben und strukturelle Benachteiligungen entgegenzuwirken und öffentlich zu machen.

In gesellschaftlichen Umbruchsituationen kommt der Kunst eine exponierte Rolle zu: Sie kann aufzeigen, wie die Einflüsse verschiedener Kulturen und künstlerischer Perspektiven das Schaffen bereichern und innovieren können, ohne der Tendenz zur Vereinheitlichung zu erliegen. Sie kann Beispiel geben, wie kulturelle Traditionen als Quelle, Merkmale und historisches Element der künstlerischen Gegenwart erhalten werden.

Kunst eröffnet neue Perspektiven und Zugänge in die Gesellschaft. Sie gibt Impulse zu gesellschaftlichen Fragestellungen, manchmal nimmt sie Stellung. Diese Ausstellung widmet sich der aktuellen Frage der Identität in Zeiten der Globalisierung. Eine Frage, die heute und vielleicht niemals abschließend beantwortet werden kann, deren ständige Präsenz uns aber bewusst sein muss. 

Vita:

  • Studium der Politikwissenschaft
  • Presse und Öffentlichkeitsarbeit
  • Geschäftsführerin der LAG Selbsthilfe Bayern e.V. 
  • Gründung des Netzwerkes von und für Frauen mit Behinderung, Erhalt des Anita Augspurg Preises 2012 der Stadt München für das Netzwerk
  • Leitung eines Projektes zur Gleichstellung und Gewaltprävention geistig behinderter Frauen
  • Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München

Hans Well

Sänger/Songwriter
Hans Well stammt aus einer 15 köpfigen bayerischen Musikerfamilie und beschäftigt sich seit bald 40 Jahren mit dem Erhalt bzw. der Veränderung  bayerischer Kultur und Zustände gemeinsam mit seinen erwachsenen Kindern und ihrer Band "Wellbappn."  Dabei war und ist die Auseinandersetzung mit der hiesigen Landespolitik und der bayerischen Gesellschaft für ihn ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Hans Well wurde mit 24 schlagartig berüchtigt durch seine Umtextung der Bayernhymne in: Gott mit Dir Du Land der BayWa. Nach 35 erfolgreichen Jahren als Autor der Biermösl Blosn samt Gstanzltexter-Job für die Toten Hosen verdammte ihn schließlich das Schicksal zur nächsten Familienbande mit den „Wellbappn“, an deren Existenz er mitschuldig ist.  Er dilettiert auf Gitarre, Steirischer, Alphorn oder Tuba. Sein Nachwuchs wollte die CD aus ihm unerklärlichen Gründen „Betreutes Singen“ betiteln.  Vor 40 Jahren gründete er mit Michael und Christoph Well die Biermösl Blosn, 35 Jahre lang begeisterten sie ihr Publikum, zum Teil mit Dieter Hildebrandt, Jörg Hube und Gerhard Polt auf der Bühne. Hans Well schrieb bis zum Ende 2012 nicht nur alle Texte der Biermösl Blosn, sondern zusammen mit Gerhard Polt auch gemeinsame Programme für die Kammerspielen und das Residenztheater. Hier wie dort wurden sie dafür von Publikum und Presse enthusiastisch gefeiert. Der Erfolg an großen Theatern im deutschsprachigen Raum ebenso wie in Bierzelten oder an der Münchner Oper ist sicherlich nicht zuletzt auch den scharfzüngig witzig satirischen Texten von Hans Well zu verdanken. 

Dr. Julia Schmidt Thiel

 Leiterin der Mohr-Villa Freimann

Die Möglichkeiten des globalen Austausches wirken sich darauf aus, wie sich unser Bewusstsein entwickelt und was wir als unsere Identität wahrnehmen. 

Fand früher Identitätsbildung im lokal begrenzten Kulturkreis in vergleichsweise langfristig stabilen Lebensperspektiven und höchstens in Reibung mit einem allgemein anerkannten System von Werten und Normen statt, hat sich dies durch den Prozess der Globalisierung grundlegend verändert. Eindrücke und Lebensformen von ganz weit weg sind inzwischen ganz nah, werden immer pluraler, durchdringen sich, stoßen sich ab. Identität ist damit heute ein Akt der Balance, ein ständiges Abwägen, Zweifeln und Hinterfragen. Die einzige Konstante ist hier die Veränderung selbst. Die Auseinandersetzung mit dieser Reizflutung, Herausforderung und Bereicherung ist das Kernthema des Kunstprojekts Identität in Zeiten der Globalisierung – Impulse des politischen Unbehagens. 

  • Ein Kunst-Projekt, das den mitwirkenden Künstlerinnen Raum gibt, ihre subjektive, vom Wandern in verschiedenen Kulturen geprägte Perspektive auszudrücken. 
  • Ein Denk-Projekt, das jeden Einzelnen zur Reflexion der eigenen Denkmuster und Parameter stimulieren kann. Ein Begegnungs-Projekt, das gut in die Mohr-Villa passt, denn unser Selbstverständnis ist es, Ort und Rahmen für interdisziplinäre und transkulturelle Kunst zu sein.