Teilnehmende Künstlerinnen

Corina Toledo

 Chile

In männlich konzipierten, organisierten und etablierten Dominanzstrukturen ist es wichtig zu reflektieren und zu ergründen, wie Frauen in westlichen und muslimischen Gesellschaften hinsichtlich ihrer ökonomischen Selbstständigkeit denken, handeln und agieren. Fakt ist, dass der Körper von Frauen als Objekt der männlichen Begierde in fast allen Bereichen wahrgenommen wird. Die Wahrnehmung von Frauen als Sexualobjekt führt dazu, dass Frauen in muslimischen Gesellschaften verhüllt und in westlichen auf dem Markt „enthüllt“ werden. Der hier angebotene Reflektionsprozess bewegt sich zwischen Ent- und Verhüllung, nicht nur in der Berichterstattung der Massenmedien, sondern in der Rolle und Funktion von Frauen, die sich scheinbar in Staat und Gesellschaft widerspiegeln. Somit ist die Migration in diesem Projekt ein zentrales Thema, denn in Deutschland sind die öffentlichen Diskurse zu Migration undifferenziert – allein die Bezeichnung „Menschen mit Migrationshintergrund“ macht individuelle Geschichten und unterschiedliche Realitäten unsichtbar. 

Im Mittelpunkt des Projekts stehen einige fundamentalen Frage, wie es zum Beispiel zu erklären ist, dass bis dato in den westlichen Gesellschaften keine massive Inklusion von Frauen in der Arbeitswelt möglich ist, obwohl Frauen sich heute mehr als jemals zuvor auf juristische Beteiligungsrechte berufen können? In Zeiten massiver weiblicher Migration stellt sich auch die Frage, ob, wie und auf welcher Ebene Frauen, besonders Migrantinnen am Arbeitsmarkt integriert sind? Wie sieht also die Arbeitswelt in der Realität für Frauen aus, die sich verhüllen oder für die Anderen, die teilweise fast komplet „enthüllt“ sind? Wie und auf welche Weise gelingt es Frauen, insbesondere Migrantinnen, auf dem Ausbildungsmarkt ihre Potenziale zu nutzen bzw. zu guten Bildungsabschlüssen zu gelangen? Wie und auf welcher Ebene können sich Frauen im Beschäftigungssystem platzieren? Wie hoch oder niedrig ist die Erwerbsbeteiligung bei Migrantinnen? Wie weit ist das Projekt der "Moderne" gekommen, dass zunehmend mehr und mehr Frauen als "Leihmütter" ihre Existenz damit bestreiten wollen, können oder müssen? Ist der "Uterus" schon eine Dienstleistung wie jede andere auch? 



Lenk

Gefangen in mir
Gefangen in mir

Deutschland

“Wahrnehmung von Frauen in der Arbeitswelt zwischen Enthüllung und Verhüllung“ … oder sollte es heißen NICHT-Wahrnehmung von Frauen in der Arbeitswelt? 

Hinter dem Aspekt der Kleidung steht für mich die Frage nach Wahrnehmung, Akzeptanz und Wertschätzung der Person. Die moderne Arbeitswelt ist geprägt von Konzernen, Arbeitsteilung, dem Spiel von Interessengruppen, Systemen mit Eigendynamik, delegierter Verantwortung und viel Beliebigkeit. Sie erfordert „Textsicherheit“ in verschiedenen Rollen. Jede Rolle hat ihr Kostüm. Nur wer die Rolle „richtig“ spielt hat Vorteile und Erfolg. Ich bewege mich in einem Beziehungsnetzwerk, in dem ich auf einzelne Aspekte meiner Person reduziert werde. Ich weiß nicht, wie mich die anderen wahrnehmen, ich kann nur ihr Verhalten reflektieren. Im Spiegel der Begegnungen sehe ich mich als: Freundin, Verbündete, Konkurrentin, Helferin, Trösterin, Unterstützer, Hilfskraft, Arbeitstier, Ideenlieferant, Kümmerer, Schuldige, Verantwortliche, Entscheider, Pausenclown, Dekoration, Puffer. 

Wer ich bin? Was ich denke? Was ich erwarte? Was ich zu geben habe? Es interessiert keinen! Ich muss funktionieren. So baue ich eine Fassade aus Business Dress und Lächeln. Dahinter verberge ich meine Bedürfnisse und meine Schätze – und verliere mich manchmal selbst aus dem Blick. Es fühlt sich an, als ob sich Bandage um Bandage um mein ICH legt. Der Schmerz ist dumpf und unbestimmt. Soviel Energie kann freigesetzt werden durch Wahrnehmung, Akzeptanz und Wertschätzung!

Vita:

 

  • 1960 geboren in Naila, lebt und arbeitet in München
  • 1980 – 1987 Studium der Linguistik und Romanistik
  • 1989 – 2010 Marketing Manager bei einem internationalen Konzern
  • 2008 VHS München „Einführung in die Holzbildhauerei“
  • 2009 – 2012 Basisstudium Bildhauerei, Bildhauerhalle Bonn, Paul Advena
  • 2012 – 2014 Aufbauklasse Bildhauerei, Bildhauerhalle Bonn, Paul Advena


Katalina Kossack

Ungarn

Die Wahrnehmung der Frau in der westlichen Arbeitswelt wird größtenteils durch Unwissenheit verschoben. Menschen sind oft nicht „richtig“ aufgeklärt über den Hintergrund und stecken Frauen insbesondere mit Kopftuch voreilig in eine Schublade. Diese Schublade ist obligatorisch nur knapp mit „Kopftuch“ beschriftet. Es ist nicht detailliert beschrieben, um wen oder was es geht, es ist zunächst etwas befremdliches. Es ist eine gezielte äußere Wahrnehmung – fast schon eine Reduktion, eine schlichte Oberflächlichkeit. Was heisst ein Kopftuch? Ist es ausschließlich etwas Religiöses? Welche Absicht steckt dahinter? Ist es zum Schutz oder ein Symbol der Gruppenzugehörigkeit? Was denkt der Einzelne über Kopftuchträgerinnen? Nimmt er sie wahr? Wie nimmt er sie wahr? Wie ist es für sie? Muss sie sich dadurch mehr behaupten? Ist sie dadurch gleich so „anders“? Was ist mit einem Punk? Mit einem Rollstuhlfahrer? Stecken wir sie durch ihr Äußeres auch in eine Schublade als könnten sie mehr oder weniger? Kann man sie dadurch besser kategorisieren? Ich denke man sollte sich nicht auf das Äußere, auf Einzelheiten fixieren, sondern vielmehr das Ganze sehen - den Menschen, das Individuum und das Recht auf Meinungsfreiheit. Das Recht frei zu sein in seinem Wesen. Aktuelles Beispiel: Die 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan wurde für ihren Kampf für Kinderrechte und mit ihrem Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen weltweit bekannt. Sie erhielt für ihr Engagement 2014 den Friedensnobelpreis. Sie durchbricht vielleicht damit unterschwellig vorhandene Vorurteile, dass Stereotyp Frau mit Kopftuch, die religiöse Frau, das Mädchen – klischeehaft die „Schwache“, sehr Wohl in der Lage ist etwas Bedeutendes zu erreichen. Unabhängig davon ob sie eben Kopftuchträgerin, Christin, Jung, Klein oder sonstiges ist. Verhüllung/ Enthüllung ist daher ein großes Thema, was man auf die unterschiedlichsten Ebenen auslegen kann. 

Es ist etwas subjektives, jeder versteht etwas anderes darunter. Wenn wir in Kategorien und Gruppen denken, entwickeln wir unbewusst schnell Vorurteile und schränken unsere Sichtweise für unsere Umwelt und die darin lebenden Menschen ein. Es macht blind und lässt uns nicht den Wert des Einzelnen erkennen. Auch ich stimme der Meinung zu, dass es vielmehr Dialoge und Begegnungen im Alltag geben sollten. Unsere Welt wächst immer mehr zusammen, unsere Gesellschaft ist multikulturell. Wir sollten versuchen auf einer Ebene miteinander zu kommunizieren und uns kennenlernen. 

Mit meinen Bildern möchte ich den Betrachter dazu bringen, hinter die „Fassade“ zu schauen.  

Katalina Kossack Geb:13.01.1984 in Debrecen (Ungarn), wohnt in München und ist aktuell Kunststudentin und arbeitet seit 1 Jahr als Künstlerin auf selbstständiger Basis  

Vita:

  • 03/2010 – 09/2013 Bachelor of Arts Soziale Arbeit: Schwerpunkt Kunst, Kultur & Medien an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München
  • 09/2009 – 03/2010 Bachelor of Arts, Soziale Arbeit an der Loránd-Eötvös-Universität, Budapest – Ungarn
  • 10/2010 – 03/2011: Jugendarrestanstalt Stadelheim, München: Ehrenamtliche, künstlerische Tätigkeit
  • 10/2010 – 03/2011: Praktikum Kunsterziehung an der Grundschule Ecole de Djguibombo, Afrika
  • 09/2014 Freie Kunstwerkstatt München, Grafik & Illustration
  • 09/2006 – 07/2007 Berufsoberschule für Sozialwesen, München: Fachabitur
  • 09/2001 – 07/2004 IHK München: Ausbildung zur Mediendesignerin (Print und Digital Medien)  
  • Symposium 06/2014 – 12/2014 T
  • Teilnahme an Symposien in Marakesh, Almunecar und Haiti 

Edite Domingos

 Angola

„Ladies respect yourselves“ das ist auch einer meiner Songtitel. Übersetzt heißt dieser „Frauen respektiert euch selbst“-, da sind wir schon beim Thema Frauen. Als ich diesen Song geschrieben habe wollte ich eine kleine Hymne für uns Frauen schreiben, denn in vielen Phasen unseres Lebens vergessen wir uns selbst am meisten. Wir sind für alle da und versuchen es allen Leuten recht zu machen, außer uns selbst, und das muss nicht sein. Ich möchte mit meinen Songs den Frauen und Mädchen Mut machen, sie selbst zu sein. Sich so zu lieben und respektieren, wie sie sind mit ihren positiven und negativen Seiten. Jede Frau sollte ihr Leben selbst bestimmen, egal ob privat oder beruflich. Ich selbst bin in der „Musikindustrie“ und versuche mich so darzustellen wie ich es für mich am besten halte. Bis jetzt hatte ich das Glück alles in meiner „Musiklaufbahn“ selbst zu lenken, was oft sehr schwierig ist, da vieles von der Musikindustrie vorgegeben wird. Ich will damit sagen, dass wir Frauen oft gar nicht wissen, wie stark wir sind. Es ist schwierig, aber wir bekommen alles unter einen Hut - Privates und Berufliches, und das sollten wir nicht außer Acht lassen.

Vita:

  • 1990 in München geboren
  • 2005 – 2009 Frontfrau der Girlband / Gesangsgruppe „Black key sis“ mit vielen Shows in München, Stuttgart und Italien
  • 2009 in München den Ersten Platz bei dem Wettbewerb „Jugendmusiziert“ gemacht
  • Seit 2009 eigene Songs geschrieben Thematik meistens über Frauen
  • Seit 2010 Solo unterwegs mit eigenen Songs und Cover Shows von Beyonce
  • Seit Ende 2014 Albumaufnahme