Teilnehmende Künstlerinnen

Corina Toledo

Chile

Politikwissenschaftlerin und freischaffende Künstlerin

 

Corina Toledo ist Organisatorin, Autorin und Kuratorin der Ausstellungsreihe "Wahrnehmung von Frauen". Seit fast 20 Jahren malt sie und sieht die Kunst als ein Instrument, Sprachbarrieren zu überwinden, wie auch Politik mit Kunst zu verbinden.

 

So entstanden die hier präsentierten Projekten

 

 



Taybe Cevik

Türkei

Seit 1992 freischaffende Künstlerin in Malerei, Photographie, Installation

 

Der Sprung in die Freiheit, das war das beste für mich. Der Weg zu einer „modernen“ Frau, war steinig und schwer. Den Sprung in die Freiheit, das war das beste für mich. Ich möchte allen Frauen Mut machen, für sich selbst einzustehen in ihren Wünschen und Bedürfnissen. Ich wünsche allen Frauen Mut zur Selbstbestimmung. Nach wie zuvor bin ich entsetzt darüber, dass Frauen überall auf dieser Welt auf verschiedensten Ebenen und Arten unterdrückt werden und als wertlos angesehen werden. 

Aus dem eng zugeschnittenen Korsett meiner Herkunft als Türkin wollte ich mich damals befreien. Durch meinen persönlichen Leidensdruck bekam ich die Kraft und den Mut diesen Weg der Freiheit und der Selbstbestimmung zu gehen. Trotz Angst, vielen offene Fragen, Schutzlosigkeit und Widerständen habe ich mich dafür entschieden und es niemals bereut, denn, dass was ich

dadurch gefunden habe war der Weg zu mir Selbst. Ich entdeckte die Liebe zur Kunst. In meinen früheren Arbeiten dreht es sich daher oft um Liebe, die Rolle der Frau, Trennung, Sehnsucht und Kampf.

Was ich heute weiß und was mich in meinen jungen Jahren zutiefst geprägt hat, war meine Großmutter - die Frau zu der ich aufblickte und der ich unendlich dankbar bin. Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass ich wertvoll und einzigartig bin. Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mich nicht verstecken muss, dass ich stolz sein kann, eine Frau zu sein. Sie hat mich geachtet und mich ihre vorurteilsfreie Art zu leben spüren lassen. „Ich, ein Teenager, fragte meine Großmutter beim Vorübergehen an einem Männercafé: Warum schauen die Männer so?“. Sie sagte: „Stell dir vor, wenn du am Wegesrand eine schöne Blume siehst, meinst du nicht, dass du sie ansehen würdest? Es ist alles in Ordnung, gehe ruhig und gelassen weiter!“ Eine kluge Frau, die, obwohl sie selbst in einer für Frauen unfreien und von Männern bestimmten Zeit groß wurde, ist für mich eine Frau, die dem Leben und den Lebenden vorurteilslos und respektvoll gegenüber steht.

 

Ich will den Frauen zurufen:

Du bist wertvoll und einzigartig.

Du kannst stolz sein, eine Frau zu sein.

Du musst Dich als Frau nicht verstecken.

 

 

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Sylvia Philipp

 Deutschland

Freischaffende Künstlerin

 

Good Old Woman- eine individuelle Begegnung! - Lebenslauf? Rollen? Gesellschaftlicher Wandel? Treppen?  Ich begegnete ihr, dieser älteren Frau. Nach vielen Jahren musste diese ihr Haus aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Es entstand eine Fotoserie im häuslichen Umfeld. Wir beide, die Künstlerin und ihre Protagonistin,  unterscheiden uns in der Biografie, doch steht uns eine gemeinsame Zukunft bevor. Für kurze Zeit gibt es Schnittmengen, Bereiche, Zeiten und Orte, in denen wir Gemeinsamkeiten finden: in jeder älteren Frau steckt eine ehemals junge Frau, in jeder jungen Frau eine bald ältere. Es erfolgte eine kurze Sicherung und Weitergabe episodischen Wissens mit konkreten Abfolgen von Lebensprozessen. 

Rückblicke:

Was war, was ist mein Leben? Ist die realweltliche Kontextinformation die Antwort auf die Fragen des Einzelnen und seiner Gesellschaft? Erschließen sich die Inhalte des Daseins oder werden sie langfristig reduziert? Lebensphasenmodelle werden evaluiert, war die Strategieformulierung des Daseins kompetent und regelkonform? Hat eine ältere Frau noch transferrelevante Kompetenzen? 

Zukunft:

Die Zukunft des anscheinenden Verlustes, die Zukunft des „Übersehenwerdens“, die Zukunft des Verschwindens in der Gesellschaft. Das Individuum löst sich auf, wird von anderen nicht mehr wahr genommen. Äußerlichkeiten sind markanter. Fügen sich dann auch noch körperliche Gebrechen hinzu, so kommt das Wegsehen noch häufiger vor. Der Mensch unter dem weißen Haar, der Mensch mit den Krücken erfährt eine interessante Mutation zur Sache, zum Sachgegenstand. 

 

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Ebru Düzgün (EBOW)

Türkei

Rapperin

 

Sich als junge Frau die Frage zu stellen, wie ich Frauen wahrnehme und wie ich mich selbst wahrnehme, kann ich aufgrund meiner persönlichen Biographie Folgendes sagen: Als Frau in Deutschland in einer türkischer Familie geboren, war es für mich selbstverständlich, dass ich mich immer in zwei kulturellen Räumen bewegt habe. Mein Bewusstsein als Frau ist also geprägt von dem kulturellen Reichtum Deutschlands und dem der Türkei. Mich in der einen wie in der anderen Kultur als Frau zu behaupten, verdanke ich den starken weiblichen Vorbildern, also zunächst meiner Mutter und Großmutter, bei denen ich stets Geborgenheit erfahren, die Fähigkeit zu Lieben und zugleich Zerbrechlichkeit gelernt habe. In der dritten Generation türkischer Gastarbeiter bin ich in München aufgewachsen, mit all den Rechten und Pflichten, die für mich eine Selbstverständlichkeit sind. So gehe ich meine Wege als selbstbewusste Frau, die zur Vielfalt in der Gesellschaft beiträgt. Den einen Weg gehe ich als Studentin der Architektur, und den anderen als Musikerin in der deutschen Hip-Hop-Szene, die überwiegend männlich dominiert ist. 

Meine Musik greift unterschiedliche Themen auf, die zum Reflektieren motivieren sollen, auch im Bezug auf die „Wahrnehmung von Frauen“. So zum Beispiel in meinem Song „Quebab“. Darin besinge ich den Kosmos am Hauptbahnhof, den wohl exotischsten Ort, den sich der Münchner in seiner Stadt vorstellen kann, der mit seinen Dönerbuden, Import-Export-Geschäften und afghanischen Supermärkten der klischeehaften Vorstellung einer friedlichen Multi-Kulti-Gesellschaft entspricht. „Daddy fährt Mercedes und Mama ist Putzfrau“, heißt es in dem Song – und dass sie nie mit ihren Freunden ausgehen darf, während die Hälfte ihrer Brüder im Knast sitzt. Das ist das Manifest eines türkischen Mädchens, das sich dank der Musik von ihrer patriarchalischen Kultur emanzipieren konnte. Geglückte Integration eben, denkt sich der Zuhörer und merkt erst im Nachhinein, dass die Überzeichnung der gängigen Klischees ihn seiner eigenen Vorurteile überführt hat.
Denn wenn man Ebow, eigentlich Ebru Düzgün, sieht, versteht man, dass die Texte nur eine Überspitzung darstellen können: Vor einem steht eine junge, selbstbewusste Frau, die langen braunen Haare auf einer Seite abrasiert, der schwarze Blazer lässig hochgekrempelt. Sie weiß, wovon sie spricht: Als Kind türkischer Gastarbeiter wird sie selbst immer wieder mit den selben Vorurteilen konfrontiert: Dass sie ja anders sei als die anderen Türken, sie studiere schließlich und sei auch sonst sehr emanzipiert.

 Deshalb, weil ihr die ganze Debatte um geglückte oder missglückte Integration eigentlich gehörig auf die Nerven geht, spielt Ebow in ihren Songs gerne mit diesen Begriffen. Sie nimmt die Vorurteile, die die meisten Menschen gegenüber Ausländern haben, aufs Korn, versucht sie lächerlich zu machen. Die Menschen sind einfach zu verschieden, als dass das Prädikat „Türke“ oder „Deutscher“ allein zutreffend wäre, sagt Ebow. 



Kaouther Tabai

Tunesien

Lyrikerin, Übersetzerin

 

Kaouther Tabai ist 1964 in Tunis geboren. Sie kam 1983 nach München, um Informatik an der Technischen Universität zu studieren und lebt heute noch dort. Sie schreibt in Arabisch und Deutsch und übersetzt literarische Texte, vor allem Lyrik. In zahlreichen teilweise sehr persönlichen Kurzgeschichten gelingt es Kaouther Tabai in ihrem Erzählband „Jasminknospen - Von Tunesien nach Deutschland… und dann?“ die Konflikte der arabischen Welt, das Hin-und-Hergerissen-Sein der Jugend zwischen ängstlich-trotzigem Fundamentalismus und Globalisierung, die sozialen und politischen Probleme und die mit dem arabischen Frühling verbundenen Hoffnungen begreifbar zu machen.

Was auf den ersten Blick nach Frauen- oder Migrantenliteratur aussieht, ist ein Schreiben über den Menschen von heute, mit Tiefgang und dem unverkennbaren „Tabai-Humor“, den man aus ihrem erfolgreichen Erstlingswerk „Das kleine Dienstmädchen“ kennt - Ganz gleich ob die Handlung am Neuhauser Rotkreuzplatz oder im Souk-Labyrinth der Medina von Tunis, am Münchner Hauptbahnhof, am Strand von Rimini, in den Gassen von Cordoba oder auf der Insel Sylt spielt. Vor, während oder nach dem sogenannten „arabischen Frühling“. 

Filmproduktion: Martin Pfeil



Esther Enahoro

Nigeria

Choreografin und Tänzerin 

 

Esther Enahoro entdeckte die Liebe zum Tanz schon ab ihrem 11. Lebensjahr. Sie entschied sich aber dafür, zuerst eine Ausbildung als Kosmetikerin zu studieren und anschließend an der Lagos State University  Industrial Relations & Personal Management zu studieren. Der Tanz faszinierte sie aber weiterhin, sodass sie weiterhin African Contemporary Dance  und HipHop tanzte. Dabei gewann sie im Laufe der Zeit mehrere nationale Wettbewerbe und konnte ihren Erfolg mit ihrer eigenen Gruppe "TapDancers" als Choreografin und Tänzerin fortsetzen, unter anderem unterstützte sie bekannte Künstler wie Kevin Little, Jaru und Beyoncé.

2011 flüchtete sie nach Deutschland. Sie schaffte es schnell auch hier wieder auf der Bühne zu stehen und gibt parallel Workshops in Afrikanischem Tanz und Choreografie für Kinder und Erwachsene. Ihre eigenen Erfahrungen als Geflüchtete gibt sie als Aktivistin bei Organisationen wie der Karavan-Frauen-Bewegung und der Teilnahme an Kunstprojekten wie "Wahrnehmung von Frauen" weiter und setzt sich so für die Rechte von Geflüchteten ein.

 

Auswahl bisheriger Arbeiten: 

  • Seit 2014 Mitarbeit im Grandhotel Cosmopolis, Augsburg
  • Tänzerin/Schauspielerin in - My Heart will go on, Theaterhaus Jena - Zaide, Zuflucht Kultur - Premiere Theater Augsburg
  • Auftritte europaweit
  • Performance Münchner Kammerspiele bei The Grand Beauty Salon

Ulrike Bez

Deutschland

Filmemacherin/Regisseurin

 

Ihr Lieblingsformat ist der klassische Dokumentarfilm ohne journalistischen Kommentar, in Abgrenzung zu Fernsehfeature und Reportage. „Dieses Format schafft eine Begegnung auf Augenhöhe; Stoff und Zuschauer begegnen sich unmittelbar. Die daraus erwachsende emotionale Kraft ist die große Stärke von 'Töchter des Aufbruchs'."

Das Thema Migration hat durch die neuesten politischen Entwicklungen an Brisanz gewonnen. Umso dringlicher ist es, starke und selbstbewußte Frauen zu zeigen, die die vorherrschenden Klischees aufmischen. Mit Charme und Tiefgang erzählen 15 Frauen aus unterschiedlichen Nationen ihre Einwanderungsgeschichten, mitreißend untermalt vom Rap "Wanderlust" der Münchner Szenemusikerin EBOW. 

Flucht, Vertreibung, Arbeitssuche oder einfach die Lust auf etwas Neues: Die Gründe, die Frauen aus verschiedenen Nationen nach Deutschland führen, sind unterschiedlich. Der Aufbruch aus Krieg, Armut oder politischer Verfolgung ist für viele auch ein Ausbruch aus traditionellen Lebenswelten, beflügelt von Freiheitsliebe und Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Demokratie. "Töchter des Aufbruchs" stärkt das Bewusstsein, dass die Geschichte der Einwanderung nach Deutschland historisch sehr eng mit der Geschichte der Industrialisierung zusammenhängt.

Angesichts der momentanen Flüchtlingsdebatte ist es besonders wichtig, Begriffe wie Heimat und Zugehörigkeit neu zu denken